Grundwissen zu Schimmelpilzen in der Wohnung
In unseren Breitengraden hält sich ein Mensch durchschnittlich 20 Stunden des Tages in geschlossenen Räumen auf. Einen Teil davon verbringt er am Arbeitsplatz und an öffentlichen Orten wie beispielsweise in Geschäften, den anderen Teil verbringt er in seiner Wohnung.

Während seines Aufenthalts in geschlossenen Räumen atmet er alles das ein, was Baustoffe, Bodenbeläge, Wandverkleidungen, Farben, Klebstoffe sowie Möbel und Einrichtungsgegenstände teils viele Jahre lang ausdünsten.
Neben der Chemie kommt das Raumklima dazu, das Einfluss auf die Gesundheit nehmen kann.
Außerdem können Schädlinge und Mikroorganismen zur gesundheitlichen Belastung werden. In diesem Zusammenhang spielen vor allem Schimmelpilze eine große Rolle. Schimmelpilze sehen nicht nur unschön aus, sondern können zur echten Gesundheitsgefahr werden.
Kein Wunder, dass Schimmelpilze zu den häufigsten Streitthemen zwischen Mietern und Vermietern gehören.
Aber was sind Schimmelpilze eigentlich genau? Wie entstehen sie? Wann wird es gefährlich? Und wie lässt sich ein Schimmelpilzbefall in den Griff kriegen?

Hier Grundwissen zu Schimmelpilzen in der Wohnung:
Inhalt
- 1 Wie Schimmelpilze in die Wohnung gelangen und was sie auslösen können
- 2 Wie sich Schimmelpilze vermehren
- 3 Wie sich Schimmelpilze vermeiden lassen
- 4 Mehr Ratgeber:
- 4.1 Kondensationsfeuchte oder Eindringfeuchte?
- 4.2 Wärmebrücken verstehen – und finden
- 4.3 Schnelltest: Liegt’s am Verhalten oder am Bauwerk?
- 4.4 Messpraxis für Zuhause
- 4.5 Kleine Befälle fachgerecht entfernen (bis ca. A4-Größe, nicht an Dämmungen/Gipskarton)
- 4.6 Prävention über Lüften hinaus
- 4.7 Gesundheit: Wer ist besonders gefährdet – und wann zum Arzt?
- 4.8 Arten & Sichtbefund – warum die Optik täuscht
- 4.9 Dokumentation & Kommunikation (Mietobjekt)
- 4.10
- 4.11 Ähnliche Beiträge
Wie Schimmelpilze in die Wohnung gelangen und was sie auslösen können
Schimmelpilze sind zunächst einmal ganz natürlich und überall in der Luft vorhanden. In einen Raum gelangen die Sporen beispielsweise durch die geöffneten Fenster beim Lüften oder über die Klimaanlage.
Die unsichtbaren Pilzsporen haften aber auch an der Kleidung an, so dass der Bewohner sie selbst in die Wohnung trägt. Je nachdem, wann und wo die Messung stattfindet, kann die Konzentration der Pilzsporen sehr unterschiedlich ausfallen.
So werden in einer Wohnung, die nahe an einem Wald liegt, im Sommer deutlich mehr Pilzsporen in der Raumluft vorhanden sein als in einer Wohnung mitten in einer Großstadt im Winter.
Schimmelpilze gibt es in unzähligen Arten. So werden allein bei den Schimmelpilzen, die an Fassaden und in Innenräumen auftreten können, mehr als 200 verschiedene Arten voneinander unterschieden.
Rund 40 dieser Arten gelten als gesundheitsschädlich. Zu einer gefährlichen Belastung können Schimmelpilze vor allem für Personen mit einem geschwächten Immunsystem werden.
Außerdem werden Schimmelpilze zur Gesundheitsgefahr, wenn sie in hoher Konzentration auftreten und der Bewohner längere Zeit dieser hohen Sporendichte ausgesetzt ist. Typische Beschwerden sind grippeähnliche Symptome wie Niesen, Schnupfen und Husten.
Auch gerötete Augen, Kopfschmerzen und Hautreizungen sind häufige Reaktionen auf Schimmelpilze.
In schlimmeren Fällen können Schimmelpilze Allergien, Asthma und Hautausschläge auslösen. Einige Schimmelpilzarten sondern bei ihrem Stoffwechsel giftige Substanzen ab.
Werden die Giftstoffe in den Körper aufgenommen, beispielsweise weil belastete Lebensmittel gegessen wurden, kann es zu einer Schimmelpilzvergiftung kommen, die schlimmstenfalls sogar die Nieren und die Leber schädigen kann.

Wie sich Schimmelpilze vermehren
Schimmelpilze sind insgesamt sehr genügsam. Sie fühlen sich überall dort wohl, wo sie feuchte, warme und nährstoffreiche Bedingungen vorfinden. Dies muss keineswegs nur in sanierungsbedürftigen Altbauten der Fall sein.
Auch Wohnungen, in denen es feucht ist oder die nicht ausreichend gelüftet werden, bieten ein ideales Milieu für Schimmelpilze. Da Schimmelpilze weder wählerisch noch anspruchsvoll sind, finden sie in praktisch jeder Wohnung ausreichend Nährstoffe.
So enthalten Holz, Pappe und Papier, Teppichböden, Produkte aus Kunststoff, Silikon und Gummi, Farben, Lacke oder Tapeten samt Kleister die Nährstoffe, die Schimmelpilze für ihr Wachstum brauchen.
Wenn sich Schimmelpilze vermehren, bilden sie zunächst farb- und geruchlose Zellfäden heraus.
Mit bloßem Auge sind diese Zellfäden nicht zu sehen. In einem späteren Stadium machen sich Schimmelpilze durch einen muffigen, leicht modrigen Geruch bemerkbar.
Kurz darauf wird der Schimmelpilzbefall dann auch sichtbar. Spätestens jetzt sollte der Bewohner unbedingt aktiv werden. Hat es sich der Schimmelpilz nur auf einer kleinen Fläche gemütlich gemacht, beispielsweise an der Silikonabdichtung von Badewanne, Dusche oder Spülbecken, kann der Bewohner diesen Schaden sicher selbst beheben.
Sobald eine größere Fläche betroffen ist, sollte er jedoch seinen Vermieter informieren und einen Fachmann zu Rate ziehen. Der Profi wird zuerst messen, wie hoch die Feuchtigkeit in den Räumen ist. Anschließend wird er nach der Ursache für den Schimmelbefall suchen.
Die Sanierung besteht dann darin, zum einen den Schimmelpilz selbst zu beseitigen. Zum anderen muss die Ursache ausgeschaltet werden.
Weist beispielsweise das Mauerwerk Risse auf, ist die Fassadendämmung marode oder ist das Dach undicht und wird dieser Mangel nicht behoben, wird auch der Schimmelpilz nicht verschwinden.

Wie sich Schimmelpilze vermeiden lassen
Richtiges Lüften ist die wichtigste und effektivste Maßnahme gegen Schimmelpilze. Vielen Mietern ist gar nicht klar, wie viel Feuchtigkeit in einer Wohnung entsteht.
So fallen in einem Haushalt mit drei Personen durch das Duschen, das Kochen, das Waschen der Wäsche, den Trockner, die Zimmerpflanzen und die anderen Wasserquellen jeden Tag zwischen sechs und zehn Liter Feuchtigkeit an.
Wenn die Räume dann schön warm aufgeheizt werden, das richtige Lüften aber ausbleibt, sind die Bedingungen für Schimmelpilze ideal. Aber wie wird richtig gelüftet? Experten empfehlen, die Fenster mehrmals pro Tag fünf bis zehn Minuten lang weit zu öffnen.
Diese Zeit reicht aus, damit die warme und feuchte Luft aus den Räumen entweichen und sich die gesamte Luft im Raum einmal austauschen kann.
Auch und besonders im Winter ist dieses sogenannte Stoßlüften sehr wichtig. Warme Luft enthält nämlich mehr Feuchtigkeit als kalte Luft.
Gelangt nun kalte Luft von draußen in den warmen Raum, wärmt sich die kalte Luft langsam auf und entzieht dabei der warmen Raumluft die Feuchtigkeit. Wichtig ist außerdem, dass die Luft im Raum zirkulieren kann.
Außenwände, die nicht oder nur schlecht isoliert sind, sollten deshalb nicht mit großen Schränken, Bildern, Vorhängen oder ähnlichen Einrichtungsgegenständen abgedeckt werden. Sonst kann sich die Luft dahinter nicht zirkulieren.
In der Folge bildet sich an der kalten Wand Tauwasser und im nächsten Schritt Schimmel. Aus dem gleichen Grund sollten die Fenster nicht permanent gekippt bleiben.
Auch hier kann sich die Luft nämlich nicht erwärmen, die Stellen bleiben kalt und durch die erhöhte Feuchtigkeit lässt sich der Schimmelpilz hier gerne nieder. Andersherum ist es natürlich genauso.
Wenn sehr warme Luft auf eine kalte Wand trifft, entsteht Kondenswasser, das ebenfalls entweichen können muss, damit sich kein Schimmelpilz bildet.

Mehr Ratgeber:
Kondensationsfeuchte oder Eindringfeuchte?
Nicht jede nasse Stelle hat dieselbe Ursache. Kondensationsfeuchte entsteht, wenn warme, feuchte Luft auf eine kalte Oberfläche trifft – Klassiker: Außenwände, Fensterlaibungen, unbeheizte Ecken.
Eindringfeuchte kommt von außen oder innen: undichte Dächer, Risse im Mauerwerk, defekte Leitungen, fehlende Abdichtungen. Die Unterscheidung ist zentral, weil Lüften allein bei Eindringfeuchte nicht hilft.
Wärmebrücken verstehen – und finden
Wärmebrücken sind Bauteilbereiche, die schneller auskühlen (z. B. Stahlbetonstützen, Rollladenkästen, Außenecken). Sinkt die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt, kondensiert Feuchte – der Startpunkt für Schimmel.
Typische Hotspots: Außenwände hinter großen Schränken, Deckenanschlüsse, Fensterlaibungen. Ein Möbelabstand von 5–10 cm und zirkulierende Luft wirken hier oft Wunder.
Schnelltest: Liegt’s am Verhalten oder am Bauwerk?
- Nach dem Duschen beschlägt der Spiegel lange, Feuchte > 60 %: eher Lüftungs-/Nutzungsverhalten.
- Lokale, immer gleiche Flecken, auch in trockenen Perioden: Verdacht auf Wärmebrücke.
- Feuchte „Wandfuß“-Zonen, salzige Ausblühungen: Hinweis auf eindringende/aufsteigende Feuchte.
- Datenlogger (24–72 h) zeigen Kurven von Temperatur/relativer Feuchte – ideal zur Ursachenabgrenzung.

Messpraxis für Zuhause
- Hygrometer in Wohn-, Schlaf-, Feuchträumen (Zielbereich meist 40–60 % r. F.).
- Oberflächenthermometer (IR) für kalte Zonen.
- Feuchtemessgerät (orientierend) für Putz/Holz; bei Verdacht: Fachbetrieb für Material-/Kernmessungen.
Protokolliere Uhrzeit, Wetter, Heizung, Fensterstellung – so erkennt man Muster.
Kleine Befälle fachgerecht entfernen (bis ca. A4-Größe, nicht an Dämmungen/Gipskarton)
- Absichern: Raum lüften; P2/P3-Maske, Handschuhe, Schutzbrille.
- Mechanisch + chemisch: Nicht trocken bürsten. Befallene, glatte Oberflächen mit 70–80 % Ethanol/Isopropanol oder 3 % H₂O₂ abwischen; poröse Materialien bei Durchwuchs eher entfernen/ersetzen.
- Ursache beheben: Sonst kommt der Schimmel zurück.
- Oberflächen instand setzen: Nach Trocknung mineralische Anstriche (Kalk-/Silikatfarben) für ein feuchte-regulierendes Milieu.
Grenze: Größere Flächen, Befall hinter Belägen/Dämmung, oder Eindringfeuchte = Fachbetrieb beauftragen.
Prävention über Lüften hinaus
- Heizen: Konstante Grundtemperatur (insb. Schlafzimmer nicht „auskühlen“ lassen), Türen zu Feuchträumen eher geschlossen.
- Wäsche: Möglichst nicht in Wohnräumen trocknen; wenn doch: entfeuchten und Stoßlüften.
- Möblierung: Große Schränke nicht an Außenwände pressen; Sockelleisten frei halten.
- Entfeuchter: Sinnvoll bei temporär hoher Last (Bautrocknung, Wäschetrocknung ohne Abluft).
- Detailmaßnahmen: Rollladenkästen dämmen, Laibungen verbessern, Dichtungen prüfen – kleine Bauteil-Upgrades, große Wirkung.
Gesundheit: Wer ist besonders gefährdet – und wann zum Arzt?
Schimmel kann Reizungen (Augen, Atemwege, Haut) auslösen; bei Allergikern/Asthma verstärken sich Symptome. Kleinkinder, Ältere, immunsupprimierte Personen sind vulnerabler.
Bei anhaltendem Husten, pfeifender Atmung, Ausschlägen oder wenn Beschwerden außerhalb der Wohnung rasch abklingen: ärztlich abklären.
Lebensmittel mit sichtbarem Schimmel entsorgen, nicht „großzügig abschneiden“ – Mykotoxine können unsichtbar tiefer sitzen.

Arten & Sichtbefund – warum die Optik täuscht
Schwarzer, grüner oder weißlicher Belag sagt nichts Sicheres über Art oder Gefährlichkeit. Häufige Gattungen in Innenräumen sind Cladosporium, Penicillium, Aspergillus.
Laboranalysen und Probenahme gehören in Fachhände – wichtig ist Ursache abstellen + Belastung senken.
Dokumentation & Kommunikation (Mietobjekt)
- Fotos (Maßstab, Datum), Feuchtemesswerte, Geruchsnotizen.
- Schriftlich Mangel anzeigen, Zugang für Begutachtung ermöglichen.
- Kein Rechtsrat, aber: gute Dokumentation beschleunigt Entscheidungen zu Sanierung, Kostenübernahme, Trocknung.
Mehr Ratgeber, Anleitungen und Tipps für Mieter und Vermieter:
- Die wichtigsten Infos zur Mieterhöhung
- Der Hausflur als Abstellraum – was ist erlaubt?
- Urteile – Mietwohnung und Arbeitsplatz in einem
- Sind Renovierungsarbeiten für den Mieter Pflicht?
- Der Aufhebungsvertrag im Mietrecht mit Vorlage
- Wann darf der Vermieter die Wohnung besichtigen?
- Die wichtigsten Infos zu Ruhezeiten
- Die Vorschriften zur Temperatur in der Wohnung, 1. Teil
Thema: Grundwissen zu Schimmelpilzen in der Wohnung
Übersicht:
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