Großer Ratgeber zu Schimmel in der Mietwohnung, 1. Teil

Großer Ratgeber zu Schimmel in der Mietwohnung, 1. Teil

Schimmel ist eines der häufigsten Streitthemen zwischen dem Mieter und dem Vermieter. Denn wenn sich der Schimmel in der Wohnung ausbreitet, sieht das nicht nur unschön aus, sondern kann auch die Bausubstanz schädigen.

Hinzu kommen die Gefahren für die Gesundheit. Den Schimmel wieder loszuwerden, kann sehr aufwändig sein und folglich entsprechend hohe Kosten verursachen. Kein Wunder also, dass oft ein Streit darüber entbrennt, wer den Schimmel zu verantworten hat.

In Zimmerecken und Nischen, neben Fensterrahmen, hinter Schränken: Meistens fängt der Schimmelbefall im Verborgenen an. Die Sporen und der feine Staub lagern sich zunächst unbemerkt ab und vermehren sich. Bis die Bewohner den Schimmelfall feststellen, hat sich oft schon ein größerer dunkler Fleck gebildet. Gleichzeitig ist bereits zu diesem Zeitpunkt häufig ein leicht muffiger Geruch wahrnehmbar.

Um die eigene Gesundheit zu schützen und weitere Schäden zu vermeiden, ist spätestens jetzt Handeln angesagt. Denn je früher etwas gegen den Schimmel unternommen wird, desto größer sind die Chancen, ihn dauerhaft zu beseitigen.

Doch wie entsteht Schimmel überhaupt? Wie lässt er sich vermeiden? Wie sollten sich Mieter und Vermieter verhalten? Diese und weitere Fragen beantwortet unser großer Ratgeber zu Schimmel in der Mietwohnung.

Hier ist der 1. Teil!:

 

Wie entsteht Schimmel?

Schimmelkeime und Schimmelsporen kommen als Bestandteile der natürlichen Umgebung überall vor. Und von Haus aus sind sie zunächst einmal nicht problematisch. Schwierig wird es erst dann, wenn die Keime und Sporen einen Nährboden finden und in Kombination mit Feuchtigkeit das Wachstum von Schimmelpilzen beginnt. Der Haken an der Sache ist, dass Schimmelpilze recht genügsam sind.

Kommen

  • eine hohe Feuchtigkeit in der Luft oder an Bauteilen,
  • größere Temperaturunterschiede oder
  • Flächen, an denen die Luft nicht zirkulieren kann, und
  • organische Materialien wie Tapeten, Hölzer, Kleister oder Kunstharz als Nährboden

zusammen, finden die Schimmelpilze schon gute Lebensbedingungen vor.

Durch das ganz normale Wohnverhalten wird die Raumluft Tag für Tag mit mehreren Litern Wasser angereichert. Beim Duschen oder Baden, beim Trocknen der Wäsche, beim Kochen und auch durch das Atmen und Schwitzen beispielsweise sammelt sich Luftfeuchtigkeit an. Wird die Wohnung dann nicht oder zu wenig gelüftet, kondensiert die feuchte Luft an kühleren Flächen. Im Ergebnis kann das Wachstum von Schimmelpilzen ausgelöst werden.

Dabei ist Schimmel in Mietwohnungen keineswegs ein seltenes Problem. Einer Studie der Humboldt-Universität Berlin aus dem Jahre 2013 zufolge hatten rund 41 Prozent aller Haushalte schon einmal mit Schimmel in ihren Wohnräumen zu tun.

Und fast 55 Prozent der Befragten nannten falsches Lüften als Hauptursache für die Schimmelbildung. Tatsächlich spielt das Lüften im Zusammenhang mit dem Schimmel eine große Rolle. Aber für Schimmel kann es auch andere Gründe geben. So können neben einem ungünstigen Heizverhalten auch bauliche Mängel oder Wärme- und Kältebrücken die Auslöser sein.

Welche Folgen kann Schimmel für die Gesundheit haben?

Einem gesunden Immunsystem können Sporen, Keime und Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen normalerweise nicht viel anhaben. Eine Gesundheitsgefahr kann aber dann entstehen, wenn die Schimmelpilzsporen über einen längeren Zeitraum oder in hoher Konzentration eingeatmet werden.

Verlässliche Informationen dazu, ob und ab welcher Konzentration Schimmelpilze Krankheiten auslösen, gibt es bisher aber nicht. Klar ist nur, dass grundsätzlich alle Bestandteile der Schimmels, sowohl die aktiven als auch die abgestorbenen, Allergien auslösen und bestehende Erkrankungen verstärken können.

Vor allem Atemwegserkrankungen sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Personen mit gesundheitlichen Vorbelastungen oder einem geschwächten Immunsystem sollten Räume mit Schimmelbefall deshalb sicherheitshalber meiden.

 

Was hat es mit der relativen und der absoluten Luftfeuchtigkeit auf sich?

Die Luft in einem Raum kann verschiedene Mengen an Wasser aufnehmen. Dabei steigt die Aufnahmefähigkeit mit der Temperatur:

  • Bei einer Temperatur von 0 Grad Celsius kann ein Kubikmeter Raumluft maximal 4,8 Gramm Wasser speichern. Diese absolute Feuchte ist gleichbedeutend mit einer relativen Luftfeuchte von 100 Prozent.
  • Ist es 20 Grad wärmer, steigt die Wasseraufnahmefähigkeit um mehr als das Dreifache. Bei einer Temperatur von 20 Grad Celsius kann ein Kubikmeter Raumluft nämlich bis zu 17,3 Gramm Wasser aufnehmen. Und wenn die relative Luftfeuchte bei dieser Temperatur 50 Prozent beträgt, befinden sich als absolute Feuchte 8,7 Gramm Wasser pro Kubikmeter in der Raumluft.

Je mehr Personen sich in einer Wohnung aufhalten und je aktiver sie sind, desto weiter klettert der Feuchtegehalt der Luft im Laufe eines Tages nach oben. Damit diese Feuchtigkeit entweichen kann, muss die Wohnung regelmäßig gelüftet werden.

Andernfalls kann sich die warme Luft an kühleren Oberflächen oder an Wärmebrücken abkühlen, auch wenn die relative Feuchte nur bei 50 Prozent liegt. Die Folge dieser Abkühlung ist, dass die relative Luftfeuchte an der jeweiligen Stelle auf bis zu 100 Prozent ansteigt. In den Raumecken, an den Fensterscheiben oder auf Spiegeln bildet sich dadurch Kondenswasser.

Die meisten Schimmelpilzarten brauchen für ihr Wachstum aber gar keine hundertprozentige relative Luftfeuchte. Stattdessen genügen ihnen schon etwa 80 Prozent relative Luftfeuchte. Schimmelpilze können also schon dann wachsen und gedeihen, wenn das Kondenswasser für die Bewohner weder zu sehen noch zu fühlen ist.

 

Was ist ein ideales Raumklima?

Das optimale Raumklima für die Bewohner und auch für die Bausubstanz ist gegeben, wenn die Temperatur bei 18 bis 22 Grad Celsius und die relative Luftfeuchte bei etwa 50 Prozent liegen. Sinkt die relative Luftfeuchte auf unter 30 Prozent, wird die Luft zu trocken. Gereizte Schleimhäute können dann die Folge sein. Liegt die relative Luftfeuchte hingegen regelmäßig jenseits der 50-Prozent-Marke, wird die Bildung von Schimmelpilzen begünstigt.

Pauschale Empfehlungen verstehen sich aber nur als Orientierungshilfen. Denn der Bauzustand muss ebenfalls berücksichtigt werden. So kann es durchaus sein, dass ein gut gedämmtes Gebäude mit einer vorübergehenden relativen Luftfeuchte von 70 Prozent spielend zurechtkommt, während in einem alten Gebäude ohne vernünftige Dämmung schon 40 Prozent zu großen Problemen führen können.

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